Motto des Weltgebetstags der Frauen 2026 aus Nigeria.
Christinnen in Nigeria – Glaube, Hoffnung und Widerstandskraft
Der Weltgebetstag der Frauen verbindet Christinnen und Christen weltweit im Gebet, im Zuhören und im Lernen voneinander. In diesem Jahr richtet sich unser Blick auf Nigeria – ein Land großer kultureller Vielfalt, tiefen Glaubens und zugleich schwerer sozialer, politischer und religiöser Herausforderungen.
Nigeria liegt in Westafrika. Die Hauptstadt ist Abuja, während Lagos als wirtschaftliches Zentrum des Landes gilt. Mit rund 240 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern (Schätzung 2026) ist Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Es besteht aus 36 Bundesstaaten mit jeweils eigener Regierung. Über 250 ethnische Gruppen und ebenso viele Dialekte prägen das Land. Englisch ist die Amtssprache, daneben spielen Hausa, Igbo und Yoruba eine wichtige Rolle.
Religiös ist Nigeria vielfältig
Etwa 50% der Bevölkerung sind Muslime, rund 48% Christen, ungefähr 2% gehören traditionellen Religionen an. Während der Süden überwiegend christlich geprägt ist, leben im Norden mehrheitlich muslimische Gemeinschaften. Diese Vielfalt bietet Chancen für ein friedliches Zusammenleben, ist jedoch auch von Spannungen und Gewalt überschattet.
Viele Christinnen und Christen in Nigeria leben ihren Glauben unter schwierigen Bedingungen. Armut, Unsicherheit, Terrorismus und strukturelle Benachteiligung prägen ihren Alltag. Besonders im sogenannten Middle Belt sowie im Nordosten und Nordwesten des Landes kommt es seit Jahren zu massiver Gewalt durch bewaffnete Gruppen wie Boko Haram, Fulani-Milizen oder ISIS-nahe Terroristen. Allein im Jahr 2025 wurden tausende Christen getötet. Ein besonders erschütterndes Beispiel ist das Massaker von Yelewata im Bundesstaat Benue, bei dem im Juni 2025 über 200 Menschen – vor allem Kinder und Jugendliche – ums Leben kamen. Laut Genozide Watch, wurden über 62.000 Christen im ganzen Nigeria seit 2000 von Terroristen getötet.
Tiv-Frauen gestalten den Glauben
Und doch: Der christliche Glaube bleibt für viele eine Quelle von Hoffnung, Trost und Widerstandskraft. In meinem Buch „History of The Tiv Nation in Relation to Christianity“ (Autorin, Becky.M. Adzua) beschreibe ich die Geschichte und das Leben der Tiv im Middle Belt Nigerias. Die Tiv gehören zu den viertgrößten ethnischen Gruppen des Landes und verfügten schon vor der Ankunft christlicher Missionare im frühen 20. Jahrhundert über einen tiefen Gottesglauben. Die Begegnung mit dem Christentum führte zu nachhaltigen Veränderungen im religiösen und sozialen Leben der Gemeinschaft. In diesem Prozess spielten Tiv-Frauen neben Männern eine zentrale Rolle. Sie waren nicht nur Empfängerinnen des Glaubens, sondern aktive Trägerinnen und Gestalterinnen. Durch ihre Mitarbeit in Kirchen, ihre Verantwortung in Familien und ihre Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation stärkten sie Gemeinschaften und hielten Hoffnung lebendig. Trotz patriarchaler Strukturen fanden viele Frauen im christlichen Glauben neue Räume für Würde, Bildung und Stimme.
Zeugnis des Weltgebetstages 2026
Durch Interventionen der Internationalen Gemeinschaften, wie etwa das sogenannte „christliche Verteidigungsprogramm gegen Terrorismus“ der USA in Nigeria, gibt es womöglich neue Hoffnung für Nigerianische Christen. Der Weltgebetstag der Frauen lädt uns ein, von diesen Christinnen zu lernen. Ihr Zeugnis erinnert uns daran, dass Glaube nicht bedeutet, Leid zu verleugnen, sondern mitten darin auf Gottes Nähe zu vertrauen. „Gott ist unsere Zuflucht und Stärke“ (Psalm 46) – dieses Vertrauen trägt Frauen in Nigeria bis heute. Und Galater 3,28 ruft uns in Erinnerung, dass wir alle eins sind in Christus. Im Gebet sind wir verbunden – möge diese weltweite Gemeinschaft uns stärken füreinander einzustehen und Gottes Frieden sichtbar zu machen.
Becky M. Adzua
Gemeindevertreterin und Mitglied im Diakonium
Reformierte Stadtkirche Wien Innere Stadt
