Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen vom 10.–24.10.2025

Caroline Katzmair vor einem Logo der WGRK, Foto: Steward
Caroline Katzmair vor einem Logo der WGRK, Foto: Steward

Caroline Katzmair hat die Reformierte Kirche in Österreich bei der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen vom 10.–24.10.2025 vertreten und nimmt uns in ihrem Tagebuch auf diese Reise nach Thailand mit.

Mein Name ist Caroline Katzmair und ich bin Mitglied des Presbyteriums meiner Heimatgemeinde Linz-Leonding und Vorsitzende des Jugendrates H.B. in Österreich. Ich bin als Delegierte zur WCRC, der World Communion of Reformed Churches nach Chiang Mai, Thailand, gesendet worden. Das General Council tagte vom 10.–24.10.2025, und Menschen aus der ganzen Welt trafen sich dort, um aktuelle Themen der Reformierten Kirchen in der Welt zu besprechen und zu entscheiden. Um Ihnen einen kleinen Einblick zu geben, führte ich ein kleines Reisetagebuch, was geschah, und wie es mir dabei erging.

Fr, 10.10. Die Reise begann für mich um 11 Uhr am Vormittag mit der Zugreise von Linz nach Wien. Um 17:45 Uhr startete mein Flieger von Wien nach Bangkok. Ich war aufgeregt, freute mich aber sehr!

Sa, 11.10. Nach 9h30min Flug landete ich um 08:30 Uhr Ortszeit in Bangkok und wartete dort auf meinen Anschlussflug nach Chiang Mai (12:45 Uhr).

So, 12.10. Ich wachte erholt auf und begann die Stadt zu Fuß zu erkunden. In der Altstadt angekommen, sah ich viele Tempel von außen, die Statue der drei Könige und ein berühmtes Tor, das „Tha Phae Gate“, und legte etwa 20 000 Schritte zurück. Es hatte ungefähr 32°C und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Die Menschen begegneten mir sehr freundlich und offen. Das thailändische Essen ist ausgezeichnet! Bis jetzt kann ich nur positiv über Thailand und dessen Menschen berichten. Den Abend ließ ich am Sonntagnachtmarkt ausklingen.

Mo, 13.10. Die Registrierung bei der WCRC lief reibungslos ab. Leider machte mir der Regen einen Strich durch die Rechnung, und ich konnte erst ab 14:00 Uhr weiter die Stadt erkunden; diesmal entschied ich mich für eine andere Richtung, und auch diese Erkundung führte zu vielen Schätzen, wunderschönen Gebäuden und ausgezeichnetem Essen.

Di, 14.10. Die WCRC begann mit einem Morgengottesdienst, danach begann die Jugendarbeitsgruppe, zu der auch ich gehörte, zu tagen. Junge Menschen aus der ganzen Welt erörterten zusammen Themen und knüpften Kontakte. Ich habe Freundschaften geschlossen, die definitiv weiter vertieft werden! Am späten Nachmittag fand der Eröffnungsgottesdienst statt, bei dem ich etwas vorlesen durfte!

Mi, 15.10. Am Mittwoch stand die Jugendarbeitsgruppe unter dem Motto: „Statement für die Listening Session des nächsten Tages vorbereiten“. Wir fragten uns, was ist uns, der Jugend, wichtig? Dabei führten wir Themen, wie Mental Health, das Einbringen der Jugend in die WCRC uvm. an. Aber auch der Fakt, dass wir, die Jugend, in eine Jugendarbeitsgruppe gesteckt wurden, und die Erwachsenen Workshops zu anderen, spannenden Themen besuchen durften, das war ein Punkt, den wir deutlich zur Sprache gebracht haben. Am späten Nachmittag fand das erste Treffen der Regionen (Europa, Afrika, Asien, …) statt. Es war sehr spannend zu sehen, wie viele Menschen gekommen sind; Aber für mich war es sehr erschütternd zu sehen, dass aus ganz Europa inkl. mir, nur sieben junge Personen zwischen 18 und 30 Jahren anwesend waren.

Do, 16.10. Das war der erste Tag, an dem es sehr, sehr viel Information gab. Es fanden zwei Listening Sessions statt, bei denen wir das Statement der Präsidentin, der Frauenarbeitsgruppe, des Generalsekretärs und der Jugendarbeitsgruppe hörten. Die Vorschläge wurden später am Tag in kleinen Gruppen ausgiebig diskutiert. Listening Sessions sind Zeiträume, in denen der Themeninput vorgetragen wird und danach Fragen des Verständnisses gestellt werden konnten.

Die Diskussionen waren zum Teil sehr hitzig und emotional.

Fr, 17.10. Der Freitag wurde für „ganztägige“ Ausflüge genutzt. Ich durfte ein Projekt besuchen, welches von der Königsfamilie ins Leben gerufen wurde. In diesem „Naturschutzgebiet“ wurden Wasserreservoirs angelegt, damit der Boden wieder befeuchtet und fruchtbar wird. Dort werden auch eine Froschzucht, eine Fischzucht und eine Reiszüchtung betrieben und Bäume und Kräuter gepflanzt, die dann an die regionalen Bauern weitergegeben werden. Hier wurde eindeutig, wie viel für die Menschen, die in der Region leben, gemacht wird.

„Discernment Group 13“ – Gruppenfoto: von li nach re: Mitglieder aus der Church of Christ in Thailand, Church of South India, Presbyterian Church of East Africa, Church of Kenia, Reformed Church in Sweden, United Reformed Church in the UK, Caroline Katzmair und ein hilfreicher Steward, Foto: C.K.
„Discernment Group 13“ – Gruppenfoto: von li nach re: Mitglieder aus der Church of Christ in Thailand, Church of South India, Presbyterian Church of East Africa, Church of Kenia, Reformed Church in Sweden, United Reformed Church in the UK, Caroline Katzmair und ein hilfreicher Steward, Foto: C.K.

Sa, 18.10. Nach einem Gottesdienst mit Bibelstunde hat die erste Deciding Session gestartet. Es wurden über die Vorschläge der Präsidentin, der Frauen, des Generalsekretärs und der Jugend diskutiert und versucht, Konsens zu finden, mit dem das gesamte General Council einverstanden war. Es gab so viel zu diskutieren, dass der Zeitplan nicht mehr stimmte. Es wurde immer stressiger und am Abend, nach dem Treffen der Regionen (Europa, Asien, Nordamerika, …) waren alle froh, dass der Tag vorbei war.

Der Zeitplan ist ein wichtiges Tool und ich hoffe inständig, dass beim 28. General Council ein besserer Zeitplan gestaltet wird.

So, 19.10. Sonntag – ein spannender Tag. Wir durften regionale Kirchen, die Teil der „Church of Christ in Thailand“ sind, besuchen. Meine Gruppe bestand aus 16 Personen und wir wurden sehr herzlich mit Blumenketten willkommen geheißen. Nach einem gemeinsamen Gottesdienst, der in Thai und Englisch gehalten wurde, bekamen wir Geschenke aus der Gemeinde und anschließend ein ausgezeichnetes, ausgiebiges und sehr liebevoll dekoriertes Mittagessen, bestehend aus traditionellem Essen und selbstgemachtem Kokosnusseis.

Zurück im Hotel wurde am Nachmittag ein großer Gottesdienst abgehalten, welcher zum 150. Geburtstag der World Communion of Reformed Churches stattfand. Diese Feier war sehr schön gestaltet – eine Ehre für mich, bei diesem besonderen Ereignis dabei sein zu dürfen.

Zurück in Chiang Mai besuchte ich mit einer kleinen Gruppe am Abend den Sonntagnachtmarkt.

Mo, 20.10. Zeitmanagement war auch an diesem Tag nicht vorhanden. In den Entscheidungssitzungen wird viel diskutiert, was auch wichtig ist, da ein Konsens entstehen soll, und es keine Wahl sein soll.

Wichtig ist, dass die Wahl des neuen Executive Committees verschoben wurde, damit sich jede*r Delegierte mit den nominierten Kandidaten beschäftigen kann.

Di, 21.10. Mittlerweile wird die Generalversammlung anstrengend. Wir sitzen im Plenarsaal von ca. acht Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags auf sehr unbequemen Stühlen, und es werden leider immer wieder dieselben Themen diskutiert, bei denen eindeutig ist, dass auf weltweiter Ebene keine Lösung gefunden werden kann (LGBTQIA, Christlicher Zionismus).

Mi, 22.10. Am Vormittag gab es Änderungsvorschläge zur Verfassung der WCRC, dabei brachte ich auch einen Änderungsvorschlag ein, nämlich, dass es immer einen Youth-Vice-President geben soll. Über diesen Vorschlag kann leider erst bei der nächsten Generalversammlung in sieben Jahren abgestimmt werden, da Verfassungsänderungen sechs Monate im Voraus bekannt gemacht werden müssen.

Wichtig ist aber, dass die Jugend gehört wird!

Do, 23.10. Der letzte Tag war wie alle anderen Tage, wir diskutierten über Änderungen und haben zu den Änderungen der Verfassung gevotet. Die WCRC wurde mit einer Closing Communion, einem abschießendem gemeinsamen Abendmahl, beendet.

Der Shuttlebus brachte uns gestaffelt zum Flughafen und am Abend um 21:10 Uhr ging der erste Flieger von Chiang Mai nach Bangkok.

Fr, 24.10. Nach einer langen Wartezeit startete endlich mein Flieger um 02:30 Uhr nach Wien. Freitagmittag war ich nach einer langen Heimreise gut wieder zu Hause angekommen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass diese Generalversammlung ein Erlebnis der besonderen Art war und ich dieses nicht mehr missen möchte. Es war anfangs schwer, sich allein in einem kulturell anderen Land zurechtzufinden. Aber ich habe schnell Freundinnen und Freunde fürs Leben gefunden.

Caroline Katzmair
Presbyterin Gemeinde Linz Leonding , Vorsitzende der Evangelischen Jugend H.B. Österreich