ANgeDACHT von Ralf Stoffers

Sgt. Christopher Roberts, the supply noncommissioned officer in charge of Company C, Special Troops Battalion, 4th Brigade, 1st Armored Division, leads the Fort Bliss soccer team in prayer before the final game of the Defender’s Cup Soccer Tournament against Eglin Air Force Base in San Antonio, Texas, Sept. 3.

Die Fussball-WM liegt hinter uns …

und abseits sportlicher Ergebnisse und Erkenntnisse ist mir das Gebet einiger Spieler am Mittelkreis in Erinnerung wie auch der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha, der nach einem erzielten Tor eine imaginäre Königs-Krone auf dem Rasen abgelegt hat.

Zum Glauben bekennen?!

Gerade aus Amerika kennen wir es, dass Stars aus Sport, Kunst oder Business ihren Glauben nach außen tragen, während der Glaube bei uns als persönliche Angelegenheit gilt. Nmecha und andere Spieler werden dem evangelikalen Christentum zugeordnet, einer bibeltreuen Strömung innerhalb des Protestantismus. Auch der Gründer dieser „Ballers in God“ gehört dieser äußerst konservativen Gruppierung – mit in Teilen homophober Glaubenshaltung – an. „Jesus Saves 2026“ oder „The King’s Return“ sind Ausformungen davon. Ihr Ziel: missionieren und ihre radikalen Ansichten verbreiten. Dafür wird die eigene Auffassung des Glaubens in Kontrast gesetzt zu einer verlorenen, säkularen, völlig gescheiterten Welt.

Was ist das Problem?

Dem liegt oftmals ein verkürztes Jesus-Bild zugrunde: evangelikal, exklusiv, oftmals homophob bzw. queerfeindlich. Ein Jesus, der stark im Trösten ist, aber schwach im Stören. Ein zutiefst persönliches Gegenüber, das aber sozialpolitisch schweigt. Der Prototyp einer Welt, in der Erfolg als Segen Gottes gilt.

Der historische Jesus…

Deshalb lohnt ein Blick auf den historischen Jesus: einen dunkelhäutigen jüdischen Mann aus Galiläa, einer Region unter römischer Besatzung, wirtschaftlich ausgebeutet, politisch margina-lisiert. Einfachen Verhältnissen entstammend, verkehrte er mit Menschen am Rande der Gesellschaft (vgl. Lk 4,18) und war von Anfang an Störenfried und kein Accessoire für erfolgreiche Karrieren. Er hat sich um ‚diese‘ Welt gekümmert – inklusive ihrer strukturellen Sünde (also Menschen erdrückende Systeme und die Frage, ob mein Glaube diese Systeme stört oder stillschweigend absegnet). Wer sich also nie fragt, von welchen ungerechten Strukturen er profitiert, verkürzt das Evangelium zumindest um die Hälfte.

… gegen den weichgespülten Jesus

Dann aber wird Glaube „weltflüchtig“, eine Betäubung heute, eine Vertröstung auf später. Und Jesus wird einparfümiert, weichgespült, geglättet, von allem Unbehagen befreit – bis von ihm keine Gefahr mehr ausgeht. Ich nenne diesen Jesus den Hillsong-Jesus und er begegnet mir nicht nur auf roten Teppichen, sondern auch in Stadien. Er schweigt über alle, die in unserer Gesellschaft unsichtbar bleiben, über jede institutionell-systematische Form der Ausgrenzung von Menschengruppen. Und singt gleichzeitig vom Segen Gottes für die Tüchtigen.

Ein unvollständiges Jesus-Bild

Dieses Jesus-Bild kann uns überall begegnen: in Stadien, Dankesreden, Gebetskreisen oder auch Gottesdiensten. Demgegenüber ist mit James Cone, dem Vater der schwarzen Befreiungstheologie, festzuhalten: jede Theologie, die gegenüber der Befreiung Unterdrückter gleichgültig ist, ist keine christliche Theologie. Es geht um den Kern des Evangeliums, um die Erkenntnis, dass es leichter ist, von der befreienden Liebe zu predigen als eine Liebe zu leben, die befreit. Und das passiert dann und da, wo wir uns fragen: welcher Jesus begegnet uns im Gebetskreis, in Gemeinde und Kirche? Der, der uns in Ruhe lässt oder der, der uns unbequem herausfordert, uns stets auf die Seite derer zustellen, die ‚das System‘ fallenlässt? Welcher Jesus ist Deiner – und was kostet er Dich?

von Ralf Stoffers
[im Reformierten Kirchenblatt 3/2026 haben wir fälschlicherweise Harald Kluge als Autor angeführt. Wir bitten dies zu entschuldigen.]